Das Seilbahnprojekt Mitterdorf ist nachhaltig? Nein, Herr Aiwanger! Es bedeutet lediglich eine nachhaltige Verschwendung von 20 Millionen Euro Steuergeldern. Ihre Äußerung zur Schneesicherheit ist falsch, sie basiert vermutlich auf ihrem subjektiven Eindruck am Tage der Urkundenübergabe. Der Begriff der Schneesicherheit ist definiert und trifft auf Mitterdorf nicht zu.
Das sogenannte Sommerkonzept (...) ist kein Konzept, sondern vielmehr die fixe Idee der Firma, die auch die Lifte bauen soll. Klar, wer Stahlseile verkauft, will mehr Stahlseile verkaufen…
Für das 20 Millionen Euro teure Projekt sind keine wissenschaftlichen Studien erstellt worden. Umweltverträglichkeit, Wirtschaftlichkeit, Vergleichsstudien mit anderen deutschen Mittelgebirgsskigebieten – Fehlanzeige. Schätzungen zur Wirtschaftlichkeit mit Blick auf die Auswirkungen des Klimawandels im Bayerischen Wald beruhen auf einem „Bauchgefühl“ – obwohl es dazu Studien gibt.
Das angebliche „Konzept“ der Sommernutzung konterkariert die derzeitige und vor allem eigentliche Zielgruppe. Familien, Wanderer, Ruhesuchende, Naturliebhaber stürzen sich seltenst an einem Drahtseil den Hang hinunter – schon gar nicht für 49 Euro. (...)
Die Praxis des Freistaates zur Förderung von Seilbahnanlagen in kleinen Skigebieten ist mehr als fraglich und sollte sich dann doch mal langsam in die richtige Richtung bewegen. Regionen, die auf Tourismus angewiesen sind, so zu unterstützen, dass ein Wechsel vom Wintersport hin zu einer nachhaltigen, klimaneutralen, umweltfreundlichen Ganzjahresnutzung kräftig unterstützt wird. Eine Finanzspritze für Schneekanonen (Strom, Wasser, Geräuschemission) ist nicht nachhaltig.
Die betroffene Gemeinde (Philippsreut) ist bereits verschuldet und bezieht Stabilisierungshilfe. Der „zuständige“ Zweckverband Wintersport musste im letzten Jahr einen 350000 Euro Kredit aufnehmen, weil das Skigebiet Mitterdorf seit Jahren rote Zahlen schreibt.
Das ganze Seilbahnprojekt ist also der unausgegorene, konzeptlose, dennoch erfolgreiche Versuch, noch schnell Fördermittel abzugreifen. Ob sich die 20 Millionen Investition (davon lediglich 1,6 Millionen für die angebliche Sommerattraktion FlyLine) für ein Mittelgebirgsskigebiet rechnen? Ich hoffe es für die Gemeinde, ihren Bürgermeister und auch die Bürger des ganzen Landkreises (Schuldenverteilung), aber ich glaube nicht daran. Und wenn sich die Gemeinde in 20 Jahren nicht mal mehr ein neues Bushäuschen leisten kann, sind Sie dafür verantwortlich.
Der Klimawandel ist Fakt. Er ist umfangreich und hat Auswirkungen. Und auch wenn wir nicht vorhersagen können, wie viel Schnee wir im nächsten Winter oder in zehn Jahren haben… so sollten wir rechtzeitig vom augenscheinlich toten Pferd absteigen.
Alex Rohde
Bündnis 90/Die Grünen
KV Freyung-Grafenau
Sprecher OV Wolfsteiner Wald

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