Kreisverband

Freyung-Grafenau

Hitzeschutz darf nicht am Geld scheitern

Mia Goller: Freistaat soll zusätzliche Millionen an Landkreise und Kommunen weitergeben – Grüne wollen Investitionen auch in Freyung-Grafenau voranbringen

Überhitzte Klassenzimmer, kaum Abkühlung in öffentlichen Gebäuden und hohe Temperaturen in
Krankenzimmern: Nach den außergewöhnlich heißen Wochen fordern die Grünen deutlich mehr
Investitionen in den Hitzeschutz. Die Landtagsabgeordnete Mia Goller will sich gemeinsam mit der
Grünen-Fraktion dafür einsetzen, dass zusätzliche Mittel des Bundes nicht im Staatshaushalt
verschwinden, sondern möglichst unbürokratisch an die Kommunen und Landkreise weitergegeben
werden. Bayern kann nach derzeitigen Berechnungen mit rund 200 Millionen Euro zusätzlicher
Bundesmittel rechnen.

„Die nächste Hitzewelle kommt bestimmt. Deshalb dürfen wir jetzt nicht einfach zur Tagesordnung
übergehen“, sagt die Betreuungsabgeordnete Mia Goller. „Wir müssen unsere Schulen, Kliniken
und andere öffentliche Einrichtungen so ausstatten, dass Kinder, ältere Menschen, Kranke und
Beschäftigte auch während längerer Hitzeperioden geschützt sind.“

Nicht jedes Gebäude brauche automatisch eine Klimaanlage. Wo Verschattung, Begrünung, bessere
Dämmung oder andere bauliche Maßnahmen nicht ausreichten, müsse aber auch eine wirksame
Klimatisierung möglich sein. „Gerade dort, wo besonders gefährdete Menschen viele Stunden oder
sogar Tage verbringen, dürfen wir die Belastung durch große Hitze nicht unterschätzen“, betont
Goller. Der benötigte Strom könne zunehmend durch Photovoltaikanlagen auf den Dächern der
Einrichtungen erzeugt werden.

Hitzeperiode Ende Juni zeigt Handlungsbedarf im Landkreis

Auch die Grünen im Kreistag Freyung-Grafenau greifen das Thema auf. Die Hitzeperiode Ende
Juni hat erneut deutlich gemacht, dass der Landkreis zunehmend von längeren und intensiveren
Hitzephasen betroffen ist: An zwei Tagen wurden 35 Grad erreicht, an insgesamt fünf Tagen lagen
die Temperaturen über 30 Grad, wie Messungen der Wetterstation Grainet zeigen.

„In unseren Krankenhäusern liegen Menschen, die geschwächt sind, sich kaum bewegen können
oder über längere Zeit stationär behandelt werden müssen“, erklärt Nina Stelzl, Co-Sprecherin der
Grünen im Kreisverband Freyung-Grafenau. „Für sie kann dauerhafte Hitze zu einer erheblichen
zusätzlichen Belastung werden. Deshalb brauchen wir Lösungen, die nicht nur durch den aktuellen
Sommer helfen, sondern unsere Kliniken, Schulen und Verwaltungsgebäude langfristig besser auf
steigende Temperaturen vorbereiten.“

Die Kreistagsfraktion der Grünen hat deshalb einen Antrag zur Hitzeresilienz im Landkreis
Freyung-Grafenau gestellt. Der Landrat soll in einer der nächsten Sitzungen berichten, welche
Auswirkungen die jüngste Hitzeperiode auf die Einrichtungen des Landkreises hatte und welche
kurzfristigen wie langfristigen Maßnahmen geplant sind. Im Fokus stehen dabei insbesondere die
landkreiseigenen Schulen, die Kliniken Am Goldenen Steig sowie die Gebäude des Landratsamtes;
zusätzlich bittet die Fraktion um Erkenntnisse aus den Pflegeeinrichtungen im Landkreis.

Gebäude, Standards und Sensibilisierung

Die Grünen wollen außerdem wissen, in welchen Gebäuden bereits Klimaanlagen oder andere
technische Kühlsysteme vorhanden sind und nach welchen Grundsätzen bei Neubauten und
Sanierungen der sommerliche Wärmeschutz berücksichtigt wird. Dabei sollen auch Maßnahmen der
passiven Gebäudekühlung – etwa Verschattung, Begrünung, Sonnenschutz, Nachtlüftung oder
geeignete Bauweisen – systematisch geprüft und genutzt werden.

Ein weiterer Punkt ist die Information und Sensibilisierung von Beschäftigten, Nutzerinnen und
Nutzern der Landkreisliegenschaften sowie der Bürgerinnen und Bürger. „Hitzeresilienz bedeutet
nicht nur bauliche Maßnahmen. Es geht auch um Aufklärung, um Verhaltenshinweise und um klare
Zuständigkeiten, wenn Hitze zur Gesundheitsgefahr wird“, betont Nina Stelzl.

Sigi Bartl, Co-Sprecherin im Kreisverband sieht dabei auch den Freistaat in der Verantwortung:
„Landkreise und Kommunen wissen sehr genau, wo investiert werden muss. Sie brauchen dafür
aber ausreichend Geld und verlässliche Fördermöglichkeiten.“

Für Mia Goller ist klar: „An heißere Sommer werden wir uns anpassen müssen. Aber dort, wo die
Gesundheit von Menschen gefährdet ist, dürfen wir uns nicht mit der Hitze abfinden. Hitzeschutz ist Gesundheitsschutz – und er muss jetzt konsequent angegangen werden."

Foto: Hermann Schoyerer



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