Milchmengen müssen dringend runter

05.07.16 –

Grüne beschäftigen sich mit Landwirtschaft im Bayerischen Wald

Milchpreis ist absurd billig und eine hausgemachte Katastrophe

Freyung

In ihrer jüngsten Kreisversammlung diskutierten die Landkreisgrünen über die Landwirtschaft der Zukunft. Eingeladen hatten sie dazu Frau Heidi Wilhelm als Vertreterin des BDM (Bund Deutscher Milchviehhalter) aus Grainet und Bio-Milchlandwirt Anton Raidl aus Böhmzwiesel. Kreisvorsitzender Hans Madl-Deinhart konnte auch seinen Kollegen Christian Heilmann aus dem grünen Nachbarverband Deggendorf begrüßen und betonte einleitend: „die Landbewirtschaftung mit unserem hohen Grünlandanteil und kleinstrukturierten Haupt- und Nebenerwerbsbetrieben ist ein unverzichtbarer Bestandteil unserer Region. Auch wenn die Wirtschaftskraft dieses Erwerbszweiges im Verhältnis zu anderen Branchen überschaubar bleibe gebe es noch viele Faktoren, wie z.B. der Kulturlandschafterhalt oder der Naturerholungswert, die hier eine große Rolle spielen.“

Biobauer Anton Raidl stellte rückblickend fest, dass sich in den vergangenen Jahrzehnten sehr viel verändert hat. Die Landwirte waren laufend gezwungen, intensiver zu wirtschaften und immer mehr Menge zu erzeugen um über die Runden zu kommen. Raidl: „Viele, sehr viele Betriebe sind bereits von der Bildfläche verschwunden und ein Ende ist nicht absehbar, wenn es keine Wende auf dem Agrarsektor geben wird.“

Landwirtin Heidi Wilhelm, die im 1998 gegründeten BDM aktiv ist, beleuchtet die Situation auf dem Milchsektor, wo es auch schon seit mehreren Jahrzehnten ein Preis- und Mengenproblem gebe. „Durch die Kontingentierung konnten zwar die Auswirkungen auf den Milchpreis in Grenzen gehalten werden, jedoch sind die Ursachen der Überproduktion auch nicht beseitigt worden“, so Wilhelm. Viele Akteure seien im Spiel, wie Welthandel, Europa- und Bundespolitik, Großhandelsketten, Bauernverband und Großmolkereien, die kleinen Milchbetriebe haben dabei wenig Spielraum. Wilhelm weiter: „Auf Freiwilligkeit der Mengenreduzierung zu setzen – da können wir warten bis wir schwarz werden“.

 

Die Ernährungsfrage ist eine Verteilungs-, keine Produktionsfrage

In der anschließenden Diskussion ging es dann um Maßnahmen, wie die Zukunft speziell auf dem Milchsektor verbessert werden könnte. Kreisrätin Antje Laux: „Eine Milliarde Menschen sind übergewichtig – und 800 Millionen leiden Hunger, da stimmt doch was nicht!“ und brachte die von Bundesagrarminister Schmidt angekündigte Unterstützung der Milchbauern ins Spiel. Einhellig war allen klar, dass dies nur eine weitere Verzögerung bedeuten werde und keinesfalls eine nachhaltige Verbesserung der aktuellen Lage. Die Beihilfen sind mit einer Mengenreduzierung, extensiveren Produktion und dem Tierwohl zu koppeln. Die Anzahl der Tiere müsse auch an die Fläche gebunden sein um so den Einsatz von Futtermittel aus Übersee zu reduzieren und das Gülle- und Nitratproblem unserer Böden und Gewässer zu entschärfen.

„Die aktuelle Milchkrise wird nur besser, wenn die Mengen runter gehen“ so Biomilchbauer Anton Raidl. Er bewirtschaftet seinen Betrieb schon seit 30 Jahren nach biologischen Richtlinien und kann die produzierte Milch derzeit zu einem deutlich höheren Preis vermarkten. Natürlich sei die Umrüstung nicht einfach gewesen, die Tiere brauchen mehr Platz im Stall, eine natürliche  Weide oder genügend Auslauf. Der Aufwand ist nicht zu unterschätzen und auch die Milchleistung ist deutlich niedriger, dafür ist auf Grund des Tierwohls die  Lebensdauer höher. Bei den konventionellen Betrieben ist der Leistungsdruck bei Milchvieh großer, deshalb ist die durchschnittliche Lebensdauer der Milchkühe niedriger.

Es ist allerhöchste Zeit eine ehrliche Agrarwende anzugehen, denn neben den wehrlosen Tieren sind es auch die bayerischen Landwirte selbst, die durch eine weltweit agierende Mengenpolitik „von oben“ das schwächste Glied in der Wirtschaftskette sind. Madl-Deinhart abschließend: „Dazu müssten endlich alle Verbände mit den Parteien an einem Strang in die gleiche Richtung ziehen – die letzten 15 Jahre haben über 60.000 Milchbauern aufgegeben, dass muss jetzt ein Ende haben!“ (hoy)

Quelle: Passauer Neue Presse vom 06.07.2016

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